Am 22. Januar 2026 fand an der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) in Diepholz der ADDITIV-Tag statt. Eingeladen hatten der Forschungsverbund ZWT e.V. gemeinsam mit Niedersachsen Additiv, der Wachstumsregion Hansalinie sowie dem Landkreis Diepholz. Insgesamt kamen 57 Teilnehmende zusammen – darunter Vertreterinnen und Vertreter von rund 30 Unternehmen aus Niedersachsen und darüber hinaus sowie interessierte Privatpersonen.
Im Mittelpunkt der Fachveranstaltung stand die Frage, wie additive Fertigung (3D-Druck) bereits heute sinnvoll und wirtschaftlich eingesetzt werden kann – besonders dort, wo Unternehmen schnell, flexibel und innovativ reagieren müssen. Die Stimmung war durchweg offen und positiv: Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, sich aktiv einzubringen, Fragen zu stellen und neue Kontakte zu knüpfen.

Vordere Reihe v.l.: Sören Kray (Laboringenieur PHWT), Frank Schiwy (Head of Prototyping Miele), Dr.-Ing. Eric Klemp (Leitung Wasserstoff & AM Whitecell Eisenhuth), Dr.-Ing. Johannes Lohn (Prokurist, Direktor Vertrieb,Marketing & Entwicklung Protiq), Prof. Dr.-Ing. Carsten Bye (Professor Werk- und Kunststofftechnik PHWT, Geschäftsführer ZWT e.V.)
Praxisbeispiel aus dem Werkzeugbau: Zeit und Kosten sparen durch 3D-Druck
Den Auftakt der Vorträge machte Dr. Eric Klemp von der Whitecell Eisenhuth GmbH. Er zeigte anhand eines konkreten Beispiels, wie 3D-gedruckte Werkzeugeinsätze im Spritzgussprozess die Produktion deutlich effizienter machen können. Durch eine optimierte Kühlung im Werkzeug konnten Zykluszeiten reduziert und langfristig auch Kosten im Produktionsprozess gesenkt werden. Damit wurde deutlich: Additive Fertigung ist im Werkzeugbau längst mehr als ein Experiment – sie kann sich im industriellen Einsatz wirtschaftlich auszahlen.
Additive Fertigung und Spritzguss: Verfahren sinnvoll kombinieren
Anschließend gab Dr.-Ing. Johannes Lohn von der PROTIQ GmbH einen verständlichen Überblick darüber, wie sich 3D-Druck und Spritzguss sinnvoll ergänzen. Im Fokus stand dabei, wann additive Fertigung Vorteile bietet – etwa bei kleinen Stückzahlen, schnellen Entwicklungszyklen oder komplexen Bauteilen – und wann der klassische Spritzguss weiterhin die wirtschaftlichste Lösung bleibt. Besonders im Bereich „Rapid Tooling“ wurde deutlich, wie 3D-Druck Entwicklungsprozesse beschleunigen und neue Wege in der Bauteilentwicklung eröffnen kann.
PHWT zeigt: 3D-Druck ist fester Bestandteil moderner Ausbildung
Einen starken Impuls aus der Hochschule setzten Prof. Dr.-Ing. Peter Blömer und Sören Kray von der PHWT. Sie zeigten, wie additive Fertigung bereits heute fest in der Lehre verankert ist – und wie Studierende in kleinen Arbeitsgruppen konkrete Anwendungen – im Rapid Tooling – entwickeln. Vorgestellt wurden unter anderem Projekte wie Halterungen, Vorrichtungen oder funktionale Bauteile. Der Vortrag machte deutlich, wie eng Lehre und Praxis in Diepholz verbunden sind – und wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig an Zukunftstechnologien heranzuführen.
Vom Vortrag zur Diskussion: Was bleibt – und was braucht es noch?
Die Vorträge zeigten eindrucksvoll, welche technischen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Potenziale der 3D-Druck bereits heute bietet. Gleichzeitig wurde klar: Damit additive Fertigung in Unternehmen langfristig erfolgreich eingesetzt werden kann, braucht es nicht nur Technik – sondern vor allem Wissen, Erfahrung und Austausch.
Stimmen aus der Industrie: 3D-Druck ist längst gelebte Realität
In der anschließenden Podiumsdiskussion berichteten Vertreter aus Unternehmen der Region, wie additive Fertigung im Alltag tatsächlich genutzt wird. Mike Broermann, Leiter Konstruktion bei der INTERNORM Kunststofftechnik GmbH, erklärte:
„Bei INTERNORM setzen wir den 3D-Druck vielseitig ein: zur Anfertigung von Prototypen und Musterbau für eine schnellere Markteinführung, zur Herstellung individueller Hilfsvorrichtungen sowie zur Produktion additiv gefertigter Formen und Werkzeuge. Durch den Einsatz der additiven Fertigung können wir unsere Projektkosten senken und die Effizienz steigern.“

Auch das Thema Weiterbildung spielte eine zentrale Rolle. Michael Portmann, Leiter des Werkzeug-Technologie-Zentrums bei Pöppelmann GmbH & Co. KG, betonte:
„Der Kenntnisstand reicht von ‚Ich habe schon mal davon gehört‘ bis zum Experten in allen gängigen 3D-Druck-Verfahren. (…) Mittlerweile gibt es am Markt gute Anbieter, die herstellerunabhängig Wissen vermitteln, um 3D-Druck-Kompetenz im Unternehmen systematisch aufzubauen. Nicht zuletzt gehört auch dazu, die Möglichkeit zu haben, auszuprobieren und eigene Erfahrungen zu sammeln.“
Fazit: Austausch, Praxisnähe und Mut zum Ausprobieren
Der ADDITIV-Tag 2026 hat gezeigt, wie groß das Interesse an additiver Fertigung ist – und wie wichtig Formate sind, die Wissen, Praxis und persönliche Begegnungen zusammenbringen. Für die Organisatoren war die Veranstaltung ein starkes Signal: 3D-Druck ist kein reines Zukunftsthema mehr, sondern ein Werkzeug, das Unternehmen bereits heute konkrete Vorteile bietet – wenn Know-how aufgebaut und Erfahrungen geteilt werden.