Unsere Kunststoff-Unternehmen gemeinsam gegen Corona

Seit einigen Wochen befinden wir uns aufgrund der Corona-Krise in einem sozialen und wirtschaftlichen Ausnahmezustand, den die meisten von uns in dieser Form noch nicht erlebt haben. Viele von uns stehen durch die politisch vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen vor finanziellen, logistischen und privaten Herausforderungen, deren langfristige Konsequenz kaum abzuschätzen ist.

Dennoch zeichnet sich im gesellschaftlichen Miteinander vor allem eins ab: Solidarität.

Auch viele unserer Vereinsunternehmen geben ihr Bestes, um ihre MitarbeiterInnen in der Krisenzeit vor einer Infektion, Arbeitsplatzverlust und Existenzsorgen zu schützen. Um zusätzlich einen Beitrag für das gesundheitliche Wohl der Gesellschaft zu leisten, wird in vielen Unternehmen versucht, mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten und Ressourcen innovative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Viele Firmen haben tolle Ideen, die zeigen, wie kreativ und verantwortungsvoll die Unternehmen in unserer Region denken und arbeiten und wie vielseitig Kunststoff derzeit als Präventionsmaterial einsetzbar ist. Nicht selten werden derzeit sogar aus Mitbewerbern Partner.

Mit dem folgenden Artikel möchte der Forschungsverbund ZWT e.V. im Sinne des Informationsaustausches und der verlängerten Werkbank einen Einblick in bereits laufende Projekte und Produktionen einiger seiner Mitgliedsunternehmen geben.

Innovationsschub durch Corona

Mitglieder des ZWT entwickeln neue Produkte – Corona-Pandemie lässt auch Wettbewerber zu Kooperationspartnern werden

Diepholz. Die Coronapandemie hat viele Unternehmen kreativ werden lassen und manche Innovationen hervorgebracht. Auch Mitgliedsbetriebe des ZWT e.V. haben mit Neuentwicklungen dazu beigetragen. Sie sollen später in den Arbeitskreisen des ZWT vorgestellt werden.

„Das schnelle Reagieren auf die Erfordernisse der Coronakrise beweist die große Innovationskraft und Flexibilität unserer Mitgliedsunternehmen, aber ebenso auch deren prompte Bereitschaft, Hilfe und Unterstützung in schwierigen Zeiten zu geben“, so Vorsitzender Martin Burwinkel. Die technische Raffinesse sei schon beeindruckend, findet Prof. Dr. Carsten Bye, sie sei beispielhaft für die besondere Expertise der ZWT-Mitglieder.

Pöppelmann aus Lohne hat zwei Projekte gestartet. Zum einen unterstützt das Unternehmen gemeinsam mit weiteren Kunststoffbetrieben in der Region (MOL Vechta, ATKA Lohne) die Initiative „Vechta gegen Corona“. Dabei geht es um die Herstellung von Gesichtsvisieren (Spuckschutz), vorrangig für das Gesundheitswesen.

Außerdem hat Pöppelmann Mund-Nase-Bedeckungen unter dem Namen FaireMasken auf den Markt gebracht. Diese Produktentwicklung gelang inklusiv Aufbau eines Webshops innerhalb kürzester Zeit (www.fairemasken.de). Diese Masken, die für die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz genauso wie für alle Begegnungen im Alltag eingesetzt werden können, sind langfristig mehrfach verwendbar. Das Unternehmen fertigt sie aus einem weichen, speziell für medizinische Anwendungen entwickeltem thermoplastischen Elastomer, das sich der Gesichtsform anpasst. FaireMasken benötigen nur wenig Vliesmaterial, die Auswahl ist je nach Verfügbarkeit variabel. Verwendet werden könnten beispielsweise auch ein Papiertaschentuch oder eine Motivserviette. Der Austausch des Materials ist unkompliziert: So entfällt auch das Problem der Durchfeuchtung, das bei Stoffmasken während eines längeren Gebrauchs auftreten kann.

fm Kunststofftechnik aus Bösel hat als Führer eines deutsch-niederländischen Konsortiums eine nachhaltige Lösung für ein Gesichts-Schutzschild („Bio-FaceShield“) entwickelt. Der Träger des Visiers besteht zu 100 Prozent aus einem heimkompostierbaren, weil erdabbaubaren Bio-Werkstoff und auch die eingesetzte Visierfolie sowie der Verpackungsbeutel sind biobasiert und vollständig kompostierbar. Folie und Träger sind zudem desinfektionsmittelbeständig und somit mehrfach verwendbar. Der Trägerrahmen passt sich dank seiner Flexibilität jeder Kopfform an und gewährleistet dadurch einen hohen Tragekomfort. Die nachhaltige Schutzausrüstung steht ab Juni in Großserie zur Verfügung. Weitere Einzelheiten unter www.fm-kunststofftechnik.de

Merkutec aus Dinklage hat mit Werkzeugbau Kröger aus Lohne eine Community-Maske entwickelt. Die Maske kann mit Reinigungs-/Desinfektionsmittel gesäubert werden. Auch die Reinigung mit heißem Wasser bis 80 Grad ist möglich. Die Maske hat ein herausnehmbares Gitter, in das Filtermaterial in verschiedenen Stärken eingesetzt werden kann. Die Masken können dazu beitragen, die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Tröpfchenauswurfs beim Husten zu reduzieren und leisten so einen Beitrag zur Reduzierung der weiteren Ausbreitung von Corona.

Siebrecht Kunststoffbearbeitung und Industriemontagen aus Diepholz / Aschen produziert eigentlich Kunstleder-Teile für verstellbare Lenkräder. Das ist in Corona-Zeiten anders: Jetzt wird weißes Vlies zu Atemschutzmasken verarbeitet. Etwa 3.500 Stück pro Tag schafft die Firma. Um der großen Nachfrage entgegenzukommen, arbeiten die Aschener zudem mit einer Firma aus Lohne zusammen, die eigentlich ihr Mitbewerber ist. Die Corona-Pandemie lässt Wettbewerber zu Kooperationspartnern werden.

Die Unternehmensgruppe Spies Packaging (Spies Kunststoffe GmbH & Spies Formen- und Werkzeugbau GmbH) aus Melle hat nach einer Idee ihres Konstrukteurs Tobias Schröder in kürzester Zeit ein Hygiene-Tool für den Alltag entwickelt: Die „helfende Hand“. Sie bringt den Nutzer sicher, hygienisch und vor allem kontaktlos durch viele Situationen des Alltags. Sie unterstützt bei der Benutzung von Türklinken, bei der Betätigung des Lichtschalters und sogar bei der Benutzung von Seifen- und Desinfektionsspendern. Schon auf dem Betriebsgelände dient sie zum Schutz der gesamten Belegschaft. Produziert wird der Artikel aus recyceltem Ausschuss somit ist er ein nachhaltiges Produkt. Teile aus dem Verkaufserlös der „helfenden Hand“ spendet Spies an unterschiedliche Einrichtungen. Info: sales@spies-packaging.com.

Die Firmen Burwinkel Kunststoffwerk (Mühlen), Brinkmann Formenbau (Mühlen) und Generapid 3D-Druckservice (Lohne) haben gemeinsam einen Türklinkenaufsatz entwickelt. Denn auf Türklinken befinden sich laut aktuellen Statistiken 71.000 Bakterien und Viren auf zehn Kubikzentimeter. Das ständige Desinfizieren der Türklinken kann wegfallen, wenn sie erst gar nicht berührt werden. Deshalb hat die Kooperative handfreie Türöffner entwickelt, die werkzeuglos montierbar sind. Die Türöffner werden im Spritzgussverfahren kostengünstig, schnell, effizient und in größeren Stückzahlen produziert. Die dafür benötigten Spritzgusswerkzeuge wurden in einer unglaublichen Geschwindigkeit von sieben Tagen durch Brinkmann finalisiert, sodass Burwinkel umgehend die Produktion starten konnte. Burwinkel kann mehrere Tausend Exemplare pro Tag spritzgießen, um Büroräume, Praxen, Kanzleien, Schulen, Behörden, öffentliche Einrichtungen und Baumärkte zu bedienen.

Burwinkel und Brinkmann Formenbau haben zudem eine Schutzausrüstung auf den Weg gebracht: Die transparente Schutzbrille hat eine große Abdeckung und ermöglicht eine klare Sicht. Sie hat ein ergonomisches Design der vorderen Nasenbrücke für angenehmes Tragen. Geeignet ist sie für Laboranten, Ärzte, Pflege, Reinigungskräfte und Bauarbeiter. Die Schutzbrillen verhindern nicht nur Schmutz, Staub, Sand und Spritzer sondern schützen auch die Augen in alle Richtungen.

Texte: Daniel Meier (Medienteam) ; Ann-Christin Bajohr (ZWT e.V.)